Schaut man sich genauer an, wie Sportler Ihre Leistungsfähigkeit trainieren, können daraus allgemeine Erkenntnisse für die Arbeitswelt abgeleitet werden. Durch wenige kleine Maßnahmen/ Anpassungen haben Mitarbeiter die große Chance, optimale Leistung erbringen zu können. Hier ist eine Zusammenstellung und Auswahl einiger wichtiger Erkenntnisse aus der Welt der Wissenschaft:

1. Licht steuert Rhythmus, trainieren Sie über Lichtsteuerung Peak Performance

Die Entscheidung eines Richters, ob ein Häftling auf Bewährung freigelassen wird oder nicht, ist auch abhängig von der Urzeit. Das ist eine spannende Erkenntnis, die die Frage nach dem Biorhythmushormon aufwirft. Was hat unser Aufstehen mit unseren Entscheidungen zu tun?Unser Aufstehhormon (Biorhythmushormon)ist Cortisol. Wir wachen auf, weil wir einen hohen Cortisolspiegel haben. Ein Säugetier steht auf, weil es neugierig und erlebnishungrig ist. Cortisol sorgt in den Zellen für die Energiebereitstellung.

Hier sieht man einen guten Rhythmus. Morgens ist viel Energie da, im Normalfall wird dieser Mensch schwungvoll und energiegeladen aufstehen. Die Energie sinkt im Laufe des Tages. Abends ist wenig Energie da – dieser Mensch wird gut einschlafen. Eine mangelnde Cortisolversorgung wird mit einem „Ausbrennen“, mit Energielosigkeit und Abgeschlagenheit in Verbindung gebracht.

Die Steuerung des Biorhythmuses läuft vor allem über Licht. Wir haben im Gehirn einen Kern, den Nucleus suprachiasmaticus, der als Dirigent unseres Biorhythmuses auftritt. Bei Helligkeit sagt der Dirigent: „Alle Tages-Systeme auf „Los jetzt“, die Energie soll in die Muskeln“. Bei Dunkelheit gibt der Dirigent folgendes Signal: „Alle Regenerationssysteme müssen jetzt arbeiten, die Reparaturprozesse sollen starten und die Regeneration vorantreiben.“ Nach Abschluss der Regeneration stehen wir wieder schwungvoll auf und der nächste Tag beginnt.

Daraus folgen zwei Ableitungen:

1. Wir brauchen viel Licht um wirklich wach zu werden, nämlich mindestens 10.000 Lux (mindestens 1h Sonnenlicht am Tag oder eine 10.000 Lux Lampe morgens).

2. Wir brauchen Dunkelheit, um wirklich regenerieren zu können (kein Blaulicht am Abend, wenig Mediennutzung abends, Blaulichtfilter auf Bildschirmen).

Licht und Dunkelheit müssen sich abwechseln und dieser Wechsel hat im Idealfall einen Rhythmus von 12 h Licht und 12 h Dunkelheit. Eine realistische Aufteilung ist 15 h Aktivität und ca. 9 h Ruhe. Dann haben wir biologisch ausreichend Energie und treffen gute Entscheidungen.

2. Dopamin (Glückshormon) statt preußischer Arbeitsethik

Unser Grundmodell ist das Fußballfeld in unserem Kopf. Wir können Dinge mit der Begeisterungsbrille oder der Stressbrille wahrnehmen. Aber nur eine Mannschaft kann im Ballbesitz sein. Aus der Psychologie kommt ein Konzept, dass sehr stark Einfluss auf unser Gehirnfußballfeld haben kann: Unser Selbstbild.

Viel zu oft haben wir Glaubenssätze (interne Skripte, die unser Handeln bestimmen), die uns auf dem Weg zu bester Leistung im Weg stehen. Priming bedeutet, dass für uns ein bestimmter Reiz eine gekoppelte Handlung auslöst.

Hier ein Beispiel für Priming: Menschen, die mit dem Reiz Altersheim gebannt werden und dann darum gebeten werden einen Zettel in eine Box am Ende des Ganges zu werfen, laufen 20 % langsamer.

Das was wir zuletzt gelesen haben, beeinflusst unser Verhalten. Genauso verhält es sich mit Glaubenssätzen:
In einem aufsehenerregenden Versuch haben Forschen die Auswirkung von Selbstwirksamkeit am Beispiel „Matheleistung von Mädchen“ getestet.  Es zeigte sich ein signifikanter Einfluss der vorangegangenen Texte auf die folgenden Matheergebnisse. Die Studentinnen aus der Gruppe, die glaubten, dass sie in Mathe genauso gut waren Männer, waren weit besser als die Gruppe, die glaubte, dass sie einen genetischen Nachteil in Bezug auf Mathe hatte.

In dem Versuch konnte nachgewiesen werden, dass ein erheblicher Teil unserer Leistungsfähigkeit von unserem Glauben über unsere Leistungsfähigkeit abhängt. Dies wird in der Psychologie Selbstwirksamkeit genannt.

Der wichtigste Aspekt der Neuro-Biologie der letzten Jahrzehnte lautet daher:
Die preußische Arbeiterethik „Leistung ist Anstrengung“ gilt nicht!

Stattdessen gilt:
Je mehr knallgeile Dinge wir tun, desto stärker werden wir in unseren Schwächen. Das ausgeschüttete Dopamin unterstützt uns dabei.

3. Lassen Sie sich wie Spitzensportler über objektive Leistungsdaten betreuen

Stress ist die Ansammlung von Lasten, die den Körper vor eine Energieanforderung stellt. So wie ein Spitzensportler im Training Belastungsspitzen nutzt, um besser zu werden ( auf ein höheres Niveau zu kommen), sollten wir dies auch im Beruf nutzen.

Ein Teilnehmer hat nach einem mäßig anstrengenden Arbeitstag noch zwei Stunden ferngesehen. Viele Menschen berichten, dass dies erholsam sei. In unseren Untersuchungen sehen wir immer wieder das Gegenteil.

Fernsehen aktiviert den Sympathikus (Gaspedal im Nervensystem) und drosselt den Vagus (Bremse im Nervensystem). Fernsehen aktiviert chronobiologisch „Tagesaktivität“. Das liegt auch an dem Blaulicht, aber sicherlich auch an der Vielzahl und Schnelligkeit der Reize.

Fernsehen ab 18.00 Uhr - hier ist zu sehen, wie aktivierend Fernsehen wirkt.

Fernsehen ab 18.00 Uhr – hier ist zu sehen, wie aktivierend Fernsehen wirkt.

Beim Thema Entspannung/ Stress gilt: Verlassen Sie sich nicht auf Ihr Gefühl. Wir verwechseln häufig schön mit entspannend. Das sind aber zwei unterschiedliche Kategorien. Schöne Dinge können auch anregend sein (Ins Kino gehen ist sicher schön, aber sicher auch anregend). Am sinnvollsten ist eine Messung: Was ist für mich Anregung und was ist Entspannung?

Spitzenleistung besteht wie ein Puzzle aus vielen Einzelteilen. Alle Einzelteile haben eine biologische Komponente. Der Fokus auf diese Komponente verspricht einen Zuwachs an Leistungsfähigkeit und Spaß.

Dr. Sebastian Spörer

Neuro Pioneers Training & Consulting GmbH

Geschäftsführer
spoerer@neuro-pioneers.com