Das Verbraucherverhalten hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Früher ging man in seine Bankfiliale um zu finanziellen Themen beraten zu werden. Heute haben viele Menschen keine physische Bankfiliale mehr und suchen sich die ersten Informationen im Internet.

Wir sehen: Die Veränderung durch eine Digitalisierung der Gesellschaft findet auch in der Finanzwelt statt. Die Kundenwünsche haben sich verändert und damit auch die Finanzprodukte. Wie reagieren wir jetzt intern auf diese veränderte Umwelt? Frühere Organisationsformen sind nicht immer in der Lage auf die geänderten Anforderungen optimal reagieren zu können. Dementsprechend muss sich unsere Arbeitsweise anpassen, um bestens reagieren zu können. Klassische Arbeitsweisen aus dem Taylorismus spielen ihre Stärken in fixen und planbaren Umgebungen aus. Sobald wir dynamisch auf Änderungen reagieren wollen, müssen wir die Pfade des Taylorismus verlassen und uns auf neue Wege begeben.

Wir organisieren uns dezentral und autonom!

Von Hypoport – der Muttergesellschaft von Genopace – werden verschiedene Prinzipien bereitgestellt, welche die moderne Arbeitsorganisation erleichtern sollen. Eines davon ist: Wir organisieren uns dezentral und autonom! Ziel ist es kleine, schlagkräftige Einheiten zu formen, welche eine bestimmte Wertschöpfung vollständig abbilden.

Wie das in der Praxis aussieht, möchte ich in diesem Artikel anhand der Genopace GmbH und der Hypoport AG erläutern.

Früher: Wertschöpfung nach innen entlang an Funktionseinheiten ausgerichtet

Früher hatte Genopace durch den Kundenkontakt die entsprechenden Kundenbedürfnisse ermittelt. Die Umsetzung fand allerdings nicht direkt bei Genopace statt, dafür war die Hypoport IT zuständig – als eine Art Dienstleister. Die Hypoport IT hat damals versucht, den Spagat zwischen den verschiedenen Anforderungen der unterschiedlichsten Gruppen zusammenzubringen. Genopace war dabei nur ein Anforderer neben anderen. Alle Kundenbedürfnisse konnten in der Summe nicht umgesetzt werden, daher hat die Hypoport IT nach eigenen Kriterien eine Priorisierung vorgenommen. Jedoch war die Priorisierung stark entkoppelt von den Bedürfnissen der Kunden, da der Kundenkontakt bei Genopace lag und nicht direkt bei der Hypoport IT.
Bei einer solchen Arbeitsteilung kann man dasselbe Ergebnis beobachten wie bei dem Spiel “Stille Post”. Person A sagt etwas, Person B versteht etwas völlig anders. Stille Post führt zu völlig unvorhersehbaren Ergebnissen. Die Wertschöpfung wurde auf verschiedene Tochterfirmen verteilt, welche am Ende bei der Hypoport IT wieder zusammengeführt werden musste.

Ausrichtung der Wertschöpfung zum Kunden

Mit dem Ziel, die Wertschöpfung näher an die Kunden zu bringen, hat Genopace begonnen eine eigene Software-Entwicklung aufzubauen. Damit wurden Übergabepunkte zwischen verschiedenen Menschen und Abteilungen reduziert. In dem konkreten Fall liegt die Umsetzung nun direkt bei Genopace.

Die Wertschöpfung beginnt mit dem Kontakt zum Kunden, geht weiter über die Bedürfniserkennung bis zur Umsetzung der Anforderungen und liegt jetzt in einem Team. Das Ergebnis sind schnellere und für den Kunden sinnvollere Entscheidungen sowie Prozesse und Umsetzungen zur Steigerung der Wettbewerbsvorteile.

Ein weiterer Vorteil, der sich aus den neuen Kompetenzen bei Genopace bildet: Das Know-how rund um die Digitalisierung nimmt weiter zu. Das neue Team Campus bringt dieses Wissen nach und nach in die genossenschaftlichen Banken und unterstützt als Partner bei allen Fragestellungen innerhalb der Organisation einer Bank.

Durch diese Veränderungen ist Genopace einen großen Schritt näher an dem Zielbild einer autonomen und dezentralen Organisation. Wichtig: Der Kunde bleibt dabei immer im Mittelpunkt aller Überlegungen.

Die Optimierung der Wertschöpfung hört bei der Dezentralisierung noch nicht auf. Auch innerhalb der eigenen Organisation kann es unnötige Übergaben in den Wertschöpfungsketten geben. Diese erkennt man ganz gut daran, sobald jemand auf einen Kollegen warten muss, um etwas zu erledigen. Noch offensichtlicher wird ein potenziell ungünstiger Übergabepunkt, wenn sich Abteilungen übereinander beschweren. Auch hier ist es sinnvoll die Aufgaben so zu schneiden, dass möglichst wenig Personen bzw. Abteilungen in einer Wertschöpfungskette involviert sind.

Vorteile der neuen Organisationsform

Ronald Slabke sagte auf der Genopace Konferenz 2018: „So langsam wie heute wird sich die Welt in Zukunft nicht mehr verändern!” Daher ist es heute wichtiger denn je seine Organisation auf Flexibilität und Schnelligkeit zu optimieren. Ein Baustein, dies zu erreichen ist die Reduzierung von Übergabepunkten innerhalb der Wertschöpfungskette, wie am Beispiel von Genopace gezeigt. Andere Bausteine sind unter anderem eine Veränderung bei Menschenbild, Führung, Eigenverantwortung sowie eine Arbeitsumgebung für kognitive Höchstleistungen zu schaffen.

Stephan Harbauer

Genopace GmbH

Agile Evangelist
stephan.harbauer@genopace.de